Richtig vorbereiten

Genussklettern im Allgäu – Vorbereitung ist alles

Klettern Vorbereitung

Vorbereitung ist wichtig – was muss in den Kletterrucksack?

»Genussklettern« meinte bis vor wenigen Jahren Klettern im IV., maximal im V. Schwierigkeitsgrad. Die heutigen Erleichterungen – vom Bohrhaken und Reibungskletterschuh bis hin zu immer leichterer Ausrüstung und besserer Information – erlauben, die obere Grenze des Genusskletterns bis in den VI. Grad zu verschieben.

Ohnehin definiert sich Genusskletterei eher über eine gute Absicherung, gute Sicherungsmöglichkeiten und festes Gestein als ausschließlich über die Schwierigkeit. Damit kommt sie ihrer wörtlichen Bedeutung wieder näher: Das Klettern soll Genuss bereiten. Wie viel – das hängt vor allem von der Auswahl der Tour und der Fähigkeit einer richtigen Selbsteineinschätzung ab.

Wichtig: Sich selbst einschätzen

Jede Kletterroute in den Bergen ist eine alpine Unternehmung. Alle verlangen profunde Kenntnisse der Sicherungstechnik für Mehrseillängenrouten. Alle setzen eine gewissenhafte Vorbereitung, die nötige körperliche Verfassung und vor allem: die richtige Selbsteinschätzung voraus. Kletterer von heute bringen andere Einstellungen ins Gebirge mit als die Kletterer noch vor zwanzig und dreißig Jahren. Manche Ideale sind überholt. Auch die Voraussetzungen haben sich geändert:

Das Klettern an sich wird nicht mehr in den Bergen erlernt, sondern in der Halle und im Klettergarten. Relativ schnell kann hier jeder den VI. oder VII. Grad erreichen. Dieses Können darf aber nicht Kriterium für die Auswahl von Routen im Gebirge sein. Vielmehr sollte jeder weit unterhalb seines maximalen Klettervermögens anfangen und sich Schritt für Schritt vortasten, um ein Gefühl für das Gestein, die Orientierung, die eigenen Fähigkeiten und sein Nervenkostüm zu bekommen. Nur: Wer will heute noch im lockeren Gestein und auf rutschigem Gras erste Erfahrungen sammeln, wo nebenan eine wunderschöne Plattenkletterei winkt und mit ihren Bohrhaken blinkt?

Wer geht schon an der festen und gut abgesicherten Route im V. Grad vorbei zum brüchigen, grasdurchsetzten und schlecht gesicherten IIIer, nur um der Tradition entsprechend, klein anzufangen? Weniger ketzerisch gefragt: Welcher Weg ist wirklich der sichere? Das alpine Klettern wird sich immer stärker differenzieren. Die Anzahl derer, die den Bohrgeräuschen hinterherreisen und nur Plaisirrouten klettern, wird wachsen. Das ist legitim. Den Königsweg des alpinen Kletterns gibt es nicht. Und solange der Kletterer seine Fähigkeiten richtig einschätzen kann, ist sein Weg »sicher« und nicht »richtig« oder »falsch«. Allein darauf kommt es an.

»Intelligentes Klettern«

Nur, wer kann das schon immer? Wer ausschließlich bestens abgesicherte Bohrhakenrouten klettert, wähnt sich auf der sicheren Seite, steht aber garantiert irgendwann vor einem brüchigen IIer-Sockel oder nach dem Ausstieg im steilen, nicht zu sichernden Schutt. Wer den letzten Bohrhaken nie mehr als drei Meter unter sich hatte, weiß nicht, wie er reagiert, wenn aus den drei Metern plötzlich sechs oder neun Meter werden, weiß auch nicht, wie ein Klemmkeil zu legen ist – wenn er überhaupt einen dabeihat. Wer vorwiegend mit Bohrhaken bestückte VIer klettert, läuft Gefahr, einen klassischen Ver mit wenigen Bohrhaken zu unterschätzen. Ein Gebirgsneuling lernt nur dort seine eigenen Fähigkeiten mit akzeptablem Risiko kennen, wo er Reserven hat. Nur im für ihn klettertechnisch einfachen Gelände kann er stressfrei das optimale Klemmgerät auswählen und legen. Und wenn der nächste Haken nicht zu sehen ist, kann er seinen Spürsinn gefahrlos durch Überlegen, Schauen und Ausprobieren schulen.

Mit anderen Worten: Läuft es mal nicht optimal – was schnell passiert –, darf der Kletterer in Touren unter seinem Kletterlimit nervös werden (welcher Gebirgsneuling wird das nicht?), weil ein Sturz nicht unmittelbar droht. Also doch die Lehrzeit im Bruch verbringen? Nein. Aber jeder sollte die Gefahr einer zu schnellen Gewöhnung an gute und reichhaltige Absicherung kennen und sich einer dadurch kaum möglichen, richtigen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten bewusst sein.

Allein so fantasievolle, oft freundlich klingende Namen wie »Via Classica« oder »Sternschnuppe« suggerieren schon höchsten Klettergenuss und verdecken Risiken. Deshalb nochmals: Jede Kletterroute ist eine Unternehmung in alpinem Gelände. Mal weniger ernsthaft, mal mehr. Alle verlangen fundierte Kenntnisse der Sicherungstechnik. Und vor allem: Alle verlangen die richtige Selbsteinschätzung. Kraft, Ausdauer, Licht und Nerven müssen bis zur Rückkehr ins Tal langen. Auch und gerade in extremen Situationen, bei geringen Temperaturen, bei Wind und Wetter oder in unbekanntem Gelände. Das gilt generell, muss aber vor jeder Tour neu geprüft werden. Schließlich: keine falsche Scham vor dem Umdrehen am Einstieg! Auch und gerade so wird Erfahrung gesammelt. Wer auf sich, auf seine Unsicherheit hört, lebt länger, denn sie schützt ihn. Der Berg läuft ja bekanntlich nicht davon.

Klettern Vorbereitung

Das Routenstudium gehört zu jeder guten Vorbereitung

Klettern im Allgäu – die richtige Vorbereitung

Obwohl Felsklettern an sich heute keine ausgesprochene Risikosportart mehr ist, lässt sich ein unberechenbares Restrisiko sogenannter objektiver Gefahren nicht wegdiskutieren. Umso dringender ist es, subjektive, »menschengemachte« Gefahren zu minimieren. Der Übergang von der Halle oder vom Klettergarten ins Gebirge ist besonders gefahrenträchtig. Nicht jede Fehlerquelle ist von vorneherein bekannt und nicht jede lauernde neue Gefahr wird erkannt. Unbekannte Fehler und Gefahren lassen sich aber gezielt nicht vermeiden.

Einige Grundregeln und Hinweise gilt es deshalb zu beachten, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

Die Grundausrüstung

  • Steinschlaghelm, Kletterschuhe, Hüftgurt, Abseilachter, HMS- Karabiner oder neueres Sicherungsgerät (Plate, Tuber) Schraubkarabiner oder Karabiner mit automatischer Verschlusssicherung (zur Selbstsicherung am Stand), 1–2 einzelne Karabiner
  • Mindestens 50-Meter-Seil, besser 50-Meter-Doppelseil für größere Sicherheit und schnelleres Abseilen. Falls ein Doppelseil unbedingt nötig ist, ist es eigens vermerkt.
  • Mehrere verschieden lange, genähte Bandschlingen für Zwischensicherungen an Sanduhren oder Felszacken, zur Verlängerung von Express-Schlingen oder zur Selbstsicherung am Standplatz.
  • Mehrere Prusikschlingen zum Fädeln durch Sanduhren, als Kurzprusik beim Abseilen und zur einzig möglichen Sicherung, wenn sich das Seil nach dem Abseilen nicht abziehen lässt und über die Abseilpiste hochgeklettert werden muss. (Niemals an einem einzelnen Seilstrang aufsteigen, selbst wenn der noch so sehr klemmt!)
  • Je nach Route verschiedene mobile Sicherungsmittel (Klemmkeile: Rocks, Stopper, Hexentrics); Klemmgeräte (oftmals kurzerhand zusammengefasst als »Friends«: Friends, Camalots, Link Cams); am besten immer dabei: Klemmkeile mittlerer Größen.
  • Und natürlich die für Bergtouren diesen Kalibers nötige Verpflegung, Kleidung, Rucksackapotheke, ggf. Stirnlampe etc. Uneinig ist sich die Unfallursachenforschung über den Sicherheitszuwachs durch einen Brustgurt. Einerseits werden Wirbelsäulenverletzungen weitgehend vermieden. Andererseits steigt das Risiko für Schulterverletzungen beim Aufprallen an der Wand im Sturzfall. Eindeutig von Vorteil ist ein Brustgurt, wenn man einen schweren Rucksack trägt.

Die wichtigsten Kletterregeln

Vorbereiten des Seils

Vor dem Einknoten am Einstieg das Seil einmal von Anfang bis Ende durch die Hand ziehen, um eventuelle Knoten und Krangel aufzulösen.

Klettern Vorbereitung

Letzter Blick auf das Topo vor dem Einstieg

Anseilen und Sichern

Zweierseilschaften klettern meist in Wechselführung: Der Nachsteigende steigt die nächste Seillänge vor. Er hat bereits das eingesammelte Material am Gurt, holt sich am Standplatz fehlendes vom Partner und klettert weiter.
Das bedeutet: Beide Seilpartner binden sich von Anfang an in die Seilenden ein. Diese Art, im Überschlag zu klettern, hat den weiteren Vorteil, dass das auszugebende Seil am Standplatz immer oben liegt und die Seilschlingen sich während der Seilausgabe nicht verknoten können. Dreierseilschaften klettern am besten mit Halbseilen (nie mit Zwillingsseilen). Der ständige Wechsel zwischen Vorsteigendem und Nachsteigenden ist nicht empfehlenswert, weil der jeweils einen zeitraubenden und gefährlichen Umbau von Selbst- und Partnersicherung am Standplatz erfordern würde.

Die Nachsteigenden sind in je einen Strang eingebunden und klettern um einige Meter versetzt. Das individuell angepasste Nachsichern erfolgt recht komfortabel über einen speziellen Doppelschlitz-Tubus (z. B. Cassin Piu oder Petzl Reverso).

Partnercheck vor dem Einsteigen

Vor dem Einsteigen Partnercheck – nicht nur kurz hinschauen, sondern Gurtverschluss und Knoten in die Hand nehmen! Auch sehr erfahrene Kletterer haben hier schon tödliche Fehler gemacht.

Unterwegs im Fels

Wie Karabiner richtig eingehängt werden und wie das Seil richtig in die Express-Schlinge gelegt wird, wird vorausgesetzt. In den Bergen kommen folgende Regeln dazu:

  • Bei Verwendung eines Zwillingsseils stets beide Stränge einhängen; beim Halbseil genügt es, wechselnd je einen Strang einzuhängen, was für einen geringeren Seilzug bei Querungen und verwickelter Linienführung auch angebracht sein kann. Normalhaken: Liegt der Karabiner am Fels auf, Bandschlinge fädeln und in diese die Express-Schlinge einhängen (vermeidet Knickbelastung).
  • Normalhaken, die nicht vollständig eingeschlagen sind, mit Bandschlinge abbinden, um die Hebelwirkung zu verringern.
  • Bohrhaken: Nicht jeder ist absolut und auf immer sicher. In den hier vorgestellten Routen tauchen rostende 8-mm-Bohrhaken der ersten Generation oder Haken der Marke Eigenbau zwar nur vereinzelt auf, ein kritischer Blick sollte trotzdem auf jeden Bohrhaken und seine Umgebung geworfen werden (gilt v. a. am Stand).
  • Andere Seilschaften werden nicht »auf offener Flur« überholt, sondern – nach vorheriger Absprache – nur am Standplatz.

Selbstsicherung am Standplatz

Die Selbstsicherung am Standplatz erfolgt immer mittels Schraubkarabiner oder Karabiner mit automatischer Verschluss-Sicherung. Als Knoten wird der Mastwurf verwendet, denn mit ihm lässt sich die Länge der Selbstsicherung komfortabel anpassen und verändern. Nie zur Selbstsicherung eine Express-Schlinge einhängen: Die Karabiner können sich während einer kurzen Entlastung der Express-Schlinge drehen und öffnen.

Standplatzbau

Der Standplatz an einem Fixpunkt ist nur dann akzeptabel, wenn dieser »hundertprozentig« ist (geklebter Sicherheits-Bohrhaken, großer Baum, große und massive Sanduhr). Ansonsten gilt: Mindestens zwei voneinander unabhängige Fixpunkte mittels Seil oder Bandschlinge miteinander verbinden. In einen der beiden Selbst- und Gefährtensicherung einhängen (= Zentralpunkt); der zweite dient als Rücksicherung.

Klettern Vorbereitung

Mit der richtigen Vorbereitung wird die Klettertour zu einem genussvollen Erlebnis

Seilkommandos

Ohne funktionierende Kommunikation zwischen den Seilpartnern ist ein Unfall nur eine Frage der Zeit.

Mit ein wenig Routine und klaren Absprachen vor dem Einsteigen kommt eine Seilschaft sogar ohne Rufe aus (indem für bestimmte Situationen bestimmte Signale vereinbart werden (z. B. mehrmaliges ruckartiges Ziehen an einem Seilstrang).

Nachsichern

Ein Tipp zum Sichern des Nachsteigenden: Um Seilverhau am Standplatz zu vermeiden, das aufgenommene Seil in längeren Schlingen über das gespannte Selbstsicherungsseil vom Gurt zum Haken legen.

Abseilen/Rückzug

Keine Grundregel, aber eine große Bitte für ein sicheres und friedliches Miteinander in einer Wand: Nur im Notfall über die Tour abseilen. Abgesehen vom vermiedenen Steinschlag ist der Abstieg über einen Steig immer seilschonender, oft schneller, manchmal sogar nervenschonender: Ein missglücktes Abseilmanöver reicht – das Seil verklemmt beim Abziehen oder der Knoten am Seilende wurde nicht geöffnet – und schon geht es weder vor noch zurück. Für das Abseilen über eine Abseilpiste oder bei einem Rückzug gelten folgende Grundregeln:

  • An der Abseilstelle zunächst für Selbstsicherung mit Bandschlinge und Schraubkarabiner sorgen.
  • Nie an einem einzigen Fixpunkt abseilen, wenn dieser nicht absolut zuverlässig ist (Verbundhaken, Klebehaken oder großer Baum).
  • Beim Abseilen über Normalhaken oder Schlingen: Unbedingt für Redundanz sorgen und altes Material ggf. ersetzen oder ergänzen.
  • Nie über eine Schlinge ablassen: Akute Durchschmelzgefahr! Immer mit Kurzprusik unterhalb des Abseilachters abseilen.
  • In die Seilenden einzeln Knoten knüpfen, um nicht versehentlich über die Enden hinweg abzuseilen.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
*